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Herzlich Willkommen!

Diese Seiten sollen Ihnen eine ganz besondere Internatsschule im wunderschönen Alpenvorland Oberbayerns vorstellen. Schloss Neubeuern bezieht seine Einzigartigkeit aus seinen heutigen Schülern und Mitarbeitern, aber auch aus den vielen tausend Altschülern, die bis heute "ihrem" Neubeuern in Zuneigung verbunden sind und Schule und Schüler auf vielfältige Weise unterstützen.

Schloss Neubeuern ist eine kleine, überschaubare Schulgemeinschaft, in der bis zu 220 Schülerinnen und Schüler leben und lernen. Zum überwiegenden Teil sind dies Internatsschüler, aber es gehören auch Tagesschülerinnen und -schüler aus dem näheren Umland dazu. Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen einen ersten Eindruck von Schloss Neubeuern vermitteln. Natürlich können selbst die schönsten Bilder und Geschriebenes kein Ersatz sein für eigenes Erleben: Wir laden Sie darum schon heute herzlich ein, sich vor Ort einen persönlichen Eindruck von uns zu verschaffen. Besucher sind uns jederzeit willkommen.

Ihr

Jörg Müller
Stiftungsvorstand und Internatsleiter

 

 

Interview zu schulischen Themen und Bildungsfragen

mit dem Journalisten Prof. Dr. Matthias Michael

Herr Müller, Welche Erlebnisse verbinden Sie mit Ihrer Schulzeit?

Ich habe an meine Gymnasialzeit eigentlich nur recht indifferente Erinnerungen. Ich war ehrlich gesagt kein besonders fleißiger Schüler. Schule war eben etwas, das man erledigen musste, um danach Zeit für Freunde und Leistungssport zu haben. Ich ging gerne in die Schule, aber nicht der schulischen Inhalte wegen, sondern um meine Freunde zu treffen. Immerhin hatte ich aber auch teilweise derartig spektakulär schlechte Lehrer, dass schon mit 12 Jahren meine Entscheidung feststand, Lehrer zu werden und es besser zu machen.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul schreibt: „Für mich ist es immer wieder eine furchtbare Erfahrung, wenn aufgeweckte Kinder, die über so viel Lebensfreude, Intelligenz und gute Voraussetzungen verfügen, Tag für Tag leiden müssen.“ Die allgemeine Stimmung und Lernatmosphäre an deutschen Schulen nennt er „unmenschlich“.

Das ist natürlich sehr polemisch und überspitzt formuliert. Es gibt viele Kinder, die problemlos mit dem deutschen Schulsystem zurechtkommen und sich durchaus wohlfühlen in ihren Schulen. Aber es gibt natürlich auch viel zu viele der von Juul beschriebenen Kinder, die an den Bedingungen tatsächlich zerbrechen. Und da ist jedes einzelne Kind eines zu viel.

Die meisten Erwachsenen in Deutschland können von schrecklichen Erfahrungen in der Schule berichten: von Druck, Misserfolgen, Frustrationen und Quälerei. Auch von Bloßstellungen, Beleidigungen und Erniedrigungen. Können Sie sich ein grundlegend anderes Schulerleben für die Kinder und Jugendlichen vorstellen?

Die Schulzeit müsste doch eigentlich die schönste Zeit im Leben unserer Kinder sein. Wann haben sie noch einmal die Chance, 12 Jahre lang ihre ganze Energie und Neugierde auf das Lernen zu konzentrieren und ständig Neues zu entdecken? Die geschilderten Zustände resultieren ja auch nicht etwa aus der Tatsache, dass Kinder zur Schule gehen müssen, sondern aus dem fehlerhaften System, mit dem wir Schule betreiben.

Manche Bücher über die Schule und das Bildungssystem stehen wochenlang auf den Bestsellerlisten, z.B. Anna, die Schule und der liebe Gott von Richard David Precht und Jedes Kind ist hochbegabt von Gerald Hüther. Die Zeitungen berichten ausführlich über das Thema, und selbst in den Talkshows des Fernsehens ist immer wieder von unserem unzureichenden Schulsystem die Rede. Aber trotzdem hat man den Eindruck, es bewegt sich nichts.

Fairerweise muss man natürlich zugeben, dass es recht einfach ist, die Probleme im deutschen Schulwesen zu konstatieren und sich gebetsmühlenartig auf die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung zu berufen. Mit konkreten Vorschlägen, wie man diese Weisheit in die Praxis umsetzt, sind die teilweise selbsternannten Experten dann eher zurückhaltend. Natürlich lassen sich immer wieder einmal Leuchtturm-Schulen finden, an denen das gelingt, aber in der Fläche fehlen die Ideen. Man darf dabei vor allem nicht vergessen, dass der notwendige radikale Umbau unseres Schulsystems gegen den Widerstand vieler Lehrer und Bildungspolitiker stattfinden müsste.

Wenn doch alle einer Meinung sind – Experten, Wissenschaftler, Eltern, Schüler, Lehrer : Wieso kommen wir dann bildungspolitisch nicht weiter? Wieso gibt es nicht mehr Geld im System, z.B. für mehr und besser qualifizierte Lehrer und für geringere Klassenstärken?

Ich glaube an diese Einigkeit nicht wirklich. Dabei ist ganz ohne Zweifel das föderale Bildungswesen in Deutschland das größte Hindernis für nachhaltige Veränderung. Der Ruf nach mehr Geld löst die Probleme des deutschen Schulwesens allerdings ganz bestimmt auch nicht. Es gibt z.B. ausreichend Studien, die belegen, dass z.B. die Klassengröße nur einen recht geringen Einfluss auf den Lernerfolg hat. Wenn es uns nicht gelingt, die richtigen Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern, hilft uns leider auch mehr Geld kein Stück weiter.

Einer OECD-Studie von 2010 zufolge gibt Deutschland nur 5,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus und liegt auf Rang 26 von 31 untersuchten Ländern. Staaten wie Neuseeland, Israel, die USA, Norwegen und Südkorea lassen sich Bildung mehr als 7 Prozent kosten, Dänemark sogar 8 Prozent. Müssen wir als Bildungsnation, als Land der Dichter und Denker, ein Land übrigens, das kaum über Bodenschätze verfügt, uns Gedanken machen über die politische Wertigkeit des Schulsystems und die Bedeutung von Bildung für die Volkswirtschaft?

Das ist an sich völlig richtig. Natürlich müsste das System mehr Geld zur Verfügung stellen. Es fehlt der Politik aber an Vision und Risikobereitschaft, weil eben doch in erster Linie der nächste Wahltermin im Fokus steht. Ich warte schon seit Jahren auf ein Signal der Bundesregierung, dass man erkannt hat, dass eine 1zu1-Versorgung mit digitalen Endgeräten eine absolute Grundvoraussetzung für modernes Lernen ist. Aber selbst dafür fehlt leider der Mut.

Jedes Jahr verlassen Tausende Kinder aus bildungsfernen und/oder sozial zerrütteten Familien die Schulen ohne Abschluss. Sie leben dann meist am Rande der Gesellschaft und in Arbeitslosigkeit. Können wir uns das volkswirtschaftlich und sozialpolitisch leisten? Wie sollten wir diese Kinder und Jugendlichen besser fördern?

Das können wir uns natürlich nicht leisten, insbesondere mit Blick auf die demographische Entwicklung und den drohenden Mangel an Facharbeitskräften. Mehr noch als die volkswirtschaftlichen Folgen aber müssten uns die gesellschaftlichen Konsequenzen Sorgen machen. Hier hat der Staat mehr Verantwortung zu übernehmen, indem Schule viel stärker individualisieren und den einzelnen Schüler in den Mittelpunkt rücken müsste. Die Fabrikschule des 19. Jahrhunderts, in der Uniformität und Systemkonformität das oberste Ziel waren, hat in der heutigen Zeit jede Berechtigung verloren. Die Zukunft gehört heute den Individualisten, den Kreativen und Risikobereiten, die um Ecken denken können. Allesamt Eigenschaften, die unser Schulsystem nicht nur nicht fördert, sondern geradezu systematisch bekämpft.

Apropos Ressourcen: Auch die Zahl der Abiturienten ist in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig. Bei uns macht nur ungefähr jeder dritte Schüler eines Jahrgangs Abitur, im OECD-Durchschnitt sind es 56 Prozent. Ist auch dies ein Zeichen mangelnden Bewusstseins in der deutschen Politik für die Bedeutung von Bildung?

Mit dieser Betrachtungsweise springt man aus internationaler Sicht doch etwas kurz. Das deutsche System der dualen Berufsausbildung, das in seiner Leistungsfähigkeit weltweit einzigartig ist, sorgt ja dafür, dass alle Schüler auch weiterhin zur Schule gehen. Eine ähnliche Verzerrung entsteht bei der Betrachtung des Anteils der Hochschulabsolventen, der z.B. in den USA deutlich höher zu sein scheint als in Deutschland. Dabei darf man aber wiederum nicht aus den Augen verlieren, dass z.B. dort die Ausbildung zur Krankenschwester als Studiengang am College stattfindet. Ich bin nicht der Meinung, dass sich die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems am Anteil der Abiturienten messen lassen sollte. Ich bin im Gegenteil sogar der Überzeugung, dass ein nicht unerheblicher Teil der Misere der Tatsache geschuldet ist, dass gesellschaftlich betrachtet das Abitur nicht mehr der Premium-Abschluss ist, der es vor dreißig Jahren war, sondern eigentlich eher der Standard.

Das dreigliedrige Schulsystem aus Gymnasium, Realschule und Hauptschule, die jetzt Mittelschule heißen soll, gibt es nur in Deutschland und Österreich. Hiesige Kultuspolitiker begründen die Existenz der Hauptschule damit, dass wir in Deutschland für Schulabgänger, die nicht studieren wollen, ein funktionierendes Berufsschulsystem und eine gute berufliche Ausbildung haben – sowohl in der Industrie als auch im Handwerk. Und unser Mittelstand benötige weiterhin Facharbeiter. Folglich sei es nicht opportun, dass mehr als die Hälfte der Schüler das Abitur ablegten. In skandinavischen Ländern dagegen macht fast jedes Kind sein fachbezogenes Abitur. Und Kritiker nennen die Hauptschule eine stigmatisierende „Restschule“, die ihren Schülern allein durch ihre Existenz den Weg zu höheren Bildungsabschlüssen und Berufs-Chancen verschließe.

Da haben leider sowohl die Politiker wie die Kritiker Recht. Wenn Sie sich zum Beispiel einmal im ländlichen Niederbayern eine dörfliche Mittelschule anschauen, dann werden sie von stigmatisierender Restschule nichts spüren. Ich bin absolut davon überzeugt, dass unser Problem nicht primär in der Dreigliedrigkeit des Schulsystems liegt – auch wenn man über die Sinnhaftigkeit ganz vortrefflich streiten kann.

Ein bekanntes Problem ist auch, dass die Durchlässigkeit von unten – Hauptschule – nach oben – Realschule – und weiter zum Gymnasium in Deutschland kaum gegeben sei. Unser Schulsystem sei eher anders herum aufgebaut: Auslese mit Abgang nach unten.

Auch hier muss man zwischen Theorie und Praxis unterscheiden. Unser Schulsystem ist natürlich durchlässig von unten nach oben. Es gibt zu annähernd allen Zeitpunkten die theoretische Möglichkeit, sich in Richtung Abitur hochzuarbeiten. Die wichtigere Frage ist allerdings, wie häufig das gelingt. Und wenn man dabei schlussendlich die Zahl der Absteiger mit der der Aufsteiger vergleicht, muss man sich dieser Sichtweise sicherlich anschließen.

Was halten Sie von dem Satz: Bei uns unterrichten die falschen Menschen mit den falschen Methoden die falschen Inhalte?

Jetzt nähern wir uns dem Kern der Problematik. Natürlich ist der Satz polemisch und in seiner Generalisierung auch verletzend und falsch. Aber als kämpferische These taugt er allemal. Leider trifft es tatsächlich zu, dass hierzulande viel zu viele Menschen den Lehrerberuf anstreben, die dafür gänzlich ungeeignet sind. Dabei scheint mir der immer noch in fast allen Bundesländern übliche Beamtenstatus für Lehrer die Hauptverantwortung zu tragen. Welchen Mindset, welche Grundhaltung spreche ich bei jungen Menschen an, indem ich Ihnen schon vor Beginn ihres Studiums einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit verspreche, sie gleichzeitig von Qualitätsanspruch, konsequenter Weiterbildung und relevanter Bewertung freispreche und ihnen schließlich auch noch wirtschaftliche Sicherheit und komfortable Altersversorgung garantiere? Damit locke ich die Sicherheitsfanatiker an, die keine Risiken eingehen wollen, die sich nicht dem Wettbewerb stellen wollen, die Konstanz statt Veränderung und Herausforderung suchen. Und das sollen dann die Lehrer sein, die unsere Kinder auf das Leben von morgen vorbereiten. Das kann ja nur grandios scheitern. Und dann wundern wir uns, dass in unseren Schulen immer noch zu 90 Prozent frontal unterrichtet wird, und die Lehrer teilweise dreißig Jahre lang die gleichen Kopiervorlagen benutzen.

Die Kinder lernen in der Schule bekanntlich viele Inhalte, die die meisten von ihnen nie wieder im Leben brauchen werden. Sollten sie nicht mehr lernen und erleben über Medien, Wirtschaft, Finanzen, Kunst, Kultur und Berufswelt? Kurzum: Werden die rein kognitiven Fähigkeiten in der Schule latent über- und die emotionalen Erfahrungen und Eigenschaften unterschätzt?

Die Wissens-Schule, wie wir sie in Deutschland unverändert betreiben, hat längst jede Berechtigung verloren. Das gesamte Wissen der Menschheit ist nie weiter als ein Fingertipp auf einem digitalen Endgerät entfernt. Wir brauchen heute eine Kompetenz- und Potential-Schule, die unseren Kindern beibringt, wie sie zielführend und verantwortlich mit diesem unbegrenzten Wissen umgehen. Stattdessen lassen wir sie auswendig lernen, welche Opern Puccini geschrieben hat. Nicht dass Sie mich falsch verstehen – ich bin ein großer Freund von Allgemeinbildung. Wenn das heutige Schulsystem daher zu der von Bildungspolitkern gerne und viel gepriesenen Allgemeinbildung führte, würde ich dafür plädieren, alles so zu lassen wie es ist. Nur das ist ja leider nicht der Fall. Ganz brutal formuliert quälen wir unsere Kinder 12 Jahre lang, damit sie nichts lernen. Die Verfallsgeschwindigkeit von schulischem Wissen in unserem System des Bulimie-Lernens ist geradezu atemberaubend. Auf diesem Altar des hochspezialisierten Wissens opfern wir dann den Raum, den wir in den Schulen bräuchten, um die wirklich wichtigen Dinge zu vermitteln.

Dazu bräuchte es dann tatsächlich unbedingt die Anbindung an die Lebensrealität und an die Praxis. Es heißt immer, die Kinder lernten in der Schule fürs Leben. Tatsächlich lernen viele für den Lehrer, für die Prüfung und damit fürs sofortige Vergessen… Das ist ein großer Unterschied zwischen Schule und Hochschule.

Seit den „verschulenden“ Konsequenzen des Bologna-Prozesses gibt es diesen großen Unterschied zwischen Schule und Hochschule leider auch immer weniger. Die gesellschaftliche Aufgabe von Schule muss es jedenfalls sein, die nächste Generation auf die Herausforderungen ihres zukünftigen Lebens vorzubereiten, und zwar bei weitem nicht nur auf die beruflichen, die sich ohnehin in immer kürzeren Abständen ändern werden. Diese Aufgabe erfüllt Schule zurzeit nicht nur schlecht, sondern überhaupt nicht. Das ist eine gesellschaftliche Katastrophe, die wir uns nicht leisten können und dürfen. Unsere Kinder betreten in der Schule eine Kunstwelt, die mit ihrer Lebenswirklichkeit fast nichts gemein hat. Dabei sind die digitalen Medien nur ein Beispiel. Die Welt funktioniert ausschließlich digital, die Entwicklungen gehen in einem atemberaubenden Tempo voran – aber Schule ist immer noch überwiegend so, wie sie vor hundert Jahren war. Ein Zeitreisender aus dem 19. Jahrhundert würde in unserer heutigen Welt wahrscheinlich schnell verrückt, aber nähme er an einer Unterrichtstunde in einer x-beliebigen Schule in Deutschland teil, käme ihm das sicher sehr vertraut und beruhigend vor.

Welche Bedeutung haben für Sie als Leiter einer Bildungseinrichtung die Ergebnisse der Hirnforschung, bezogen auf die menschliche Fähigkeit zu lernen?

Die Erkenntnisse der Hirnforschung sind natürlich hochgradig relevant für Unterricht und Lernen. Dabei sind diese Erkenntnisse insgesamt viel weniger spektakulär als man denkt. Vieles davon war guten Lehrern schon immer klar, auch bevor es durch Schichtaufnahmen und Aktivitätsmessungen im Gehirn bewiesen werden konnte. Erfolgreiches Lernen braucht Beziehung. Wer es als Lehrer nicht schafft, diese Beziehung zu seinen Schülern herzustellen, muss scheitern. Lernen heißt „Begreifen“, hat also etwas Haptisches. Es findet in erster Linie durch aktives Handeln statt. Wir haben als Internatsschule die glückliche Situation, viele dieser wichtigen Prozesse auch außerhalb der Unterrichtszeit in Gang bringen zu können.

Google bringt die Internetbrille heraus, in jedem Auto, auf jeder Toilette und in jedem Wohnzimmer wird es bald Internet geben. Mit drei Klicks ist fast jedes Wissen abrufbar. Inwieweit sollte Deutschland dieser Tatsache Rechnung tragen und den Bildungskanon und damit die Lehrpläne an den Schulen entsprechend anpassen?

Jeder Schüler in Deutschland müsste Zugriff auf ein digitales Endgerät im Unterricht haben. Alles andere ist in der heutigen Zeit derartig lebensfremd, dass Schule ihrer Aufgabe schon von vornherein nicht gerecht werden kann. Natürlich gilt dabei, dass das digitale Endgerät nicht das Ziel ist, sondern lediglich das Handwerkszeug, das Lernprozesse unterstützen und beschleunigen soll. Natürlich müssten dann auch die Lehrpläne und das System als Ganzes angepasst werden.

Brauchen wir eine Evolution oder eine Revolution bei der Veränderung des Schulsystems?

Wir bräuchten eine Revolution, werden sie aber ganz sicher nicht bekommen. So leicht ist es ja ehrlicherweise auch nicht. Was hilft die Revolution, wenn ein nicht unerheblicher Teil der Lehrer ungeeignet oder unwillig ist? Der Umbau des Schulwesens im laufenden Betrieb ist wie der Umbau eines Flugzeuges im Flug. Bei Schulneugründungen, die auch schon bei der Bauplanung die räumlichen Voraussetzungen berücksichtigen können, die Lernprozesse erleichtern, die sich die geeigneten Lehrer aussuchen können, da sieht es schon ganz anders aus. Die gerne benutzten Ausreden, dass die Lehrpläne und die Kultusbürokratie keine Veränderungen zuließen, lasse ich allerdings prinzipiell nicht gelten. Es gibt genügend Schulen, die zeigen, was auch in diesem Rahmen möglich ist. Und so werden wir uns mit einer langsamen Evolution abfinden müssen, die hoffentlich immer neue Leuchtturmschulen hervorbringt und damit beweist, dass es auch anders geht.

Welches sind nach Ihrer Kenntnis die drängendsten Probleme im Schulwesen und Schulsystem? Was müsste als erstes geändert werden?

Das System Schule kann nur über die Menschen geändert werden, die es maßgeblich betreiben – die Lehrer. Wenn es uns nicht gelingt, die richtigen Menschen für diesen wunderbaren Beruf zu gewinnen, müssen alle anderen Bemühungen scheitern. Natürlich muss sich dann auch die Lehrerausbildung radikal verändern.

Sie sind selbst ausgebildeter Lehrer. Welche Eigenschaften braucht ein Lehrer heute?

Ohne den hehren Begriff der Berufung missbrauchen zu wollen – ich habe in meinem Lehramtsstudium praktisch nichts gelernt, was mir bei meiner Arbeit als Lehrer geholfen hätte. Natürlich sind die Anforderungen an Lehrer heute enorm gestiegen, was allerdings vor allem deshalb als Qual und Belastung empfunden wird, weil es nichts mit dem Selbstverständnis oder der Grundmotivation der betroffenen Lehrer zu tun hat, die z.B. Mathematik studiert haben, um das Fach Mathematik zu unterrichten, nicht etwa um sich mit den persönlichen Problemen ihrer Schüler zu beschäftigen. An dieser Dozentenhaltung scheitert zunächst die Beziehungsebene und damit der Erfolg und die Freude. Im Prinzip braucht ein Lehrer vor allem eine Eigenschaft – er muss Freude und Befriedigung dabei empfinden, sich mit jungen Menschen in ihrer ganzen komplexen Persönlichkeit zu beschäftigen und sie bei der Entfaltung ihrer Potentiale zu unterstützen. Er sollte risikobereit sein, kreativ und flexibel, und er sollte vor allem nicht der fürchterlichen deutschen Fehlerkultur anheimfallen. Welche Fächer er dafür studiert hat, ist fast bedeutungslos. Lehrer müssen Kinder unterrichten, nicht Fächer.

Ein Schlagwort in der Diskussion heißt: Bildung durch Bindung. Müssen Lehrer also Kommunikations-, Empathie- und Beziehungs-Genies sein? Inwieweit sind andere Fähigkeiten gefragt als das Beherrschen ihres Unterrichtsstoffes?

Wie schon gesagt, wenn man keine Freude daran hat, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und sie dort abzuholen wo sie sind, sollte man nicht Lehrer werden. Dazu muss man kein Genie sein, aber man wird ja auch nicht Opernsänger, wenn man nicht singen kann.

In Deutschland kann jeder Lehrer werden, der ein Abitur in der Tasche hat. Wie sollten die Anwärter für diesen so wichtigen Beruf ausgewählt werden?

Man muss unbedingt die Bewerber finden, die die notwendigen Voraussetzungen mitbringen. Das gelingt im aktuellen System natürlich nicht, weil die richtigen Bewerber von der Situation im Schulwesen eher abgeschreckt als angezogen werden. Darüber hinaus geht es ja auch um ein gesellschaftliches Phänomen. Wie werden denn Lehrer in unserem Land gesehen? Welches Ansehen genießen sie? Hier muss sich viel ändern.

In Finnland gibt es einen Eignungstest für Lehrer-Studiengänge, den der Pädagogikprofessor Matti Meri entwickelt hat. Er berichtet: „Wer sagt, er hält seine Stunde ‚erstens, zweitens, drittens…‘, den nehmen wir nicht. Wer die ganze Prüfung über nicht einmal lacht, den nehmen wir nicht. Wer zu viel redet, den nehmen wir nicht.“ Gesucht werden Menschen, die fördern statt zu selektieren. Vorbild Finnland?

Unbedingt. So müsste es eigentlich sein. Der Lehrerberuf ist – neben dem Arztberuf – wohl der verantwortungsvollste, den es gibt. Da sollte man nichts dem Zufall überlassen. Viel zu häufig ist bei uns die Entscheidung für ein Lehramtsstudium eine Verlegenheitslösung, oder aber durch die Vorliebe für ein bestimmtes Fach entstanden.

Nahezu alles ist in Finnland genau umgekehrt als hierzulande: Lehrer werden auf ihre Eignung für diesen anspruchsvollen Beruf hin getestet und selektiert, nicht Schüler. Nur diejenigen mit den besten soft skills, z.B. Motivationsstärke und Leidenschaft fürs Unterrichten, werden genommen. Dafür erwerben 80 Prozent der Schüler die Hochschulreife. Es gibt kein Sitzenbleiben, dafür schulische Nachhilfe. Keine frühe Einschulung, sondern ein Mindestalter von sieben Jahren sowie eine Gesamtschule bis zur neunten Klasse. Deutsche Delegationen fahren immer wieder nach Finnland und sagen nach ihrer Rückkehr, das sei in Deutschland alles nicht machbar.

Natürlich ist das so in Deutschland nicht machbar, wenn man an jetzt und sofort denkt. Aber auch in Finnland war die Situation nicht immer so hervorragend. Das jetzt so erfolgreiche System ist aus einem gesellschaftlichen Umdenken entstanden, das Anfang der siebziger Jahre begann und das bis dahin mehrgliedrige Schulwesen reformierte. Selbstverständlich wäre das auch in Deutschland möglich, wenn es auch durch die föderale Bildungspolitik sehr unwahrscheinlich ist.

Was halten Sie vom jetzigen deutschen „Lehramts“-Studium? Wird dort tatsächlich das vermittelt, was Lehrer im Berufsalltag brauchen?

Der Schwerpunkt im Lehramtsstudium liegt unverändert viel zu stark im fachlichen Bereich und unterscheidet sich über weite Strecken kaum vom rein wissenschaftlichen Studium. Der Praxisanteil muss sehr viel höher werden, damit Studenten die Chance haben, früh genug zu merken, dass sie das eigentlich gar nicht wollen oder können. Ein großes Problem ist ja die Tatsache, dass ein Lehramtsstudium, das nicht zum Lehrerberuf führt, praktisch wertlos ist. Die angelsächsischen Länder beweisen, dass das auch anders geht. Pädagogik, Didaktik und Psychologie müssten sehr viel mehr Raum einnehmen. Aber das Schlimmste ist ja, dass auch in den Seminarschulen der gleiche Blödsinn immer weiter perpetuiert wird und die angehenden Lehrer gezwungen sind, nach den Schemata ihrer Ausbilder zu unterrichten, damit sie gute Noten bekommen.

Inwieweit sind in Deutschland auch die föderale Bildungsstruktur und die Verbeamtung der Lehrer Teile des Problems?

Ohne mich wiederholen zu wollen, bin ich davon überzeugt, dass diese beiden Faktoren die größten Hürden auf dem Weg zu einer menschlicheren und zeitgemäßeren Schule sind. Für beides gibt es ja auch keinerlei nachvollziehbare Begründung, außer dass es eben schon immer so war. Die Frage nach dem Sinn wird in beiden Fällen schlichtweg ausgeblendet.

Wie vermitteln Sie an Ihrer Schule und in Ihrem Internat Werte? Was lernen die Schüler bei Ihnen, was sie an einem staatlichen Gymnasium nicht lernen?

Wir sind in der glücklichen Situation, als Internatsschule nicht auf die Schulstunden alleine angewiesen zu sein, um Werteerziehung und Persönlichkeitsentwicklung zu betreiben. Das Leben in einem guten Internat macht Erfahrungen möglich, die selbst die beste Familie nicht bieten kann. Daraus entwickeln sich Grundhaltungen, Einstellungen und Wertevorstellungen, die ein Leben lang halten. Dazu gehören vor allem gelebte Toleranz und Achtsamkeit sowie echte Teamfähigkeit. Leider ist die Internatserziehung in Deutschland nicht besonders hoch angesehen, was vielleicht auch daran liegt, dass es nicht allzu viele wirklich gute Internatsschulen gibt. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass eine gute Internatserziehung die perfekte Ergänzung zur elterlichen Erziehung darstellt und die Jugendlichen mit unabdingbar wichtigen Fähigkeiten und Kompetenzen ausstattet.

Ein Internatsplatz kostet bei Ihnen 2.930 Euro im Monat. Mit welchen Konzepten bringen Sie verwöhnte Schüler dazu, sich tatsächlich zu quälen und zu büffeln?

Das gelingt uns natürlich nicht immer gleich gut. Wir würden auch vermeiden, von „quälen und büffeln“ zu sprechen, weil das nicht unsere Vorstellung von Lernen ist. Bei uns steht allerdings tatsächlich Leistungsbereitschaft ganz stark im Vordergrund und ist viel wichtiger als die messbare Leistung. Wir wollen unseren Schüler dabei helfen, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen und ihre Potentiale voll zur Entfaltung zu bringen. Wenn das bei geringer akademischer Begabung und hoher Anstrengungsbereitschaft Dreien und Vieren sind, dann sind wir auf diese Schüler nicht weniger stolz als auf die Überflieger mit ihrem Einserabitur. Wer sich bei uns wenig wohlfühlen würde, sind „Nullbock“-Typen, die lieber abhängen und chillen. Aber die versuchen wir natürlich schon bei der Aufnahmeentscheidung herauszufiltern.

Wie funktioniert das "Privilegienmodell“ auf Schloss Neubeuern?

Das Privilegienmodell ist im Prinzip ein für unsere Internatsschule maßgeschneidertes Evaluationstool, das unseren Schülern dabei helfen soll, sich weiterzuentwickeln und an ihren Stärken und Schwächen zu arbeiten. Zu vier festgelegten Zeitpunkten im Jahr können alle Erwachsenen die Schüler bewerten, mit denen sie in Berührung kamen. Das kann der Mentor im Internat sein, der Tenniscoach, der Golftrainer, der Nachhilfelehrer oder auch die Reinigungskraft, die für das Zimmer des Schülers zuständig ist. Es gibt sieben verschiedene Kategorien im Privilegienmodell, vom schulischen Engagement über das sportliche und soziale Engagement, bis hin zum Verhalten im Internat usw. Entscheidend ist aber auch hier, dass nicht messbare Leistung bewertet wird, sondern das Bemühen, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste zu machen. So kann der akademisch schwache Schüler hier durchaus punkten, wenn ihm seine Lehrer großes Engagement bestätigen. Der schlechteste Tennisspieler kann im Privilegienmodell die beste Bewertung bekommen, der erfolgreiche Turnierspieler die schlechteste. Nach Bonuspunkten für Verantwortungsübernahme und Abzügen für Unregelmäßigkeiten ergibt sich eine Gesamtbewertung zwischen 1 und 5, entsprechend derer die Schüler in fünf verschiedene Privilegiengruppen eingeteilt sind. Gruppe 3 bedeutet, dass sich der Schüler im Prinzip so entwickelt, wie es für ihn richtig ist, womit die Schul- und Internatsordnung in ihrer Standardfassung für ihn gilt. Mit der Zugehörigkeit zu Gruppe 2 oder 1 sind dann zunehmend Freiheiten in der Gestaltung des Lebens in Schule und Internat verbunden, während eine Einstufung in Gruppe 4 oder 5 Maßnahmen auslöst, die dem Schüler helfen sollen, seine Möglichkeiten wieder sinnvoller zu nutzen. Wichtigster Bestandteil des Modells ist allerdings nicht die Exceltabelle mit den zahlreichen Bewertungen, sondern das zu jedem dieser Stichtage stattfindende Rückmeldegespräch, das die Mentoren mit ihren Schülern führen. Hier lernen die Schüler mit wohlmeinender und konstruktiver Kritik umzugehen, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen, hier ist auch Raum für verdientes Lob. Gemeinsam wird überlegt, welche kurz- und mittelfristigen Ziele der Schüler sich stecken könnte, um sich weiterzuentwickeln. Wenn die Schüler es zulassen, dass ihnen ein Erwachsener regelmäßig einen Spiegel vorhält, begreifen sie auch ganz schnell, dass sie die Rückmeldung nutzen können, um für sich eine Entwicklung in Gang zu bringen, die sie als ganze Person weiterbringt. Unsere Erfahrungen mit dem Modell sind wirklich ganz hervorragend, auch wenn es für alle Beteiligten durchaus anstrengend und unbequem sein kann.

Sollten Mädchen und Jungen in der Zeit der Pubertät nicht eigentlich andere Erfahrungen machen also Notendruck, Leistungsprinzip und kognitives Abspeichern von schulischen Inhalten? Brauchen wir ein Umdenken zumindest für den Umgang mit 13- und 14-Jährigen?

Völlig richtig. So wie Schule aktuell stattfindet, könnte man die 8. und 9. Klasse auch einfach ausfallen lassen. Der Unterricht in diesem Alter müsste sehr viel stärker individualisiert sein und mehr Möglichkeiten für das Sammeln praktischer Erfahrungen bieten. Leider lassen die Lehrpläne in diesen Klassenstufen dafür nur wenig Raum.

Sie setzen konsequent auf Technikeinsatz im Unterricht. Daran sind schon viele Schulen gescheitert. Wie schaffen Sie es, die Technik lernfördernd einzusetzen?

Konsequenz ist dabei sicher der wichtigste Begriff. Wir haben den Technikeinsatz in einem Paradigmenwechsel verankert, der den Unterricht ab Klasse 9 komplett digital abbildet. Der Tablet PC wird das zentrale Arbeitsmittel der Schüler und ihrer Lehrer und ermöglicht damit Lernprozesse, die ohne ihn entweder unmöglich oder zumindest nur sehr viel schwieriger möglich wären. Allerdings gehört zu dieser Konsequenz auch die Bereitschaft, in Personal und Weiterbildung zu investieren. Die durchaus vorhandenen IT- Bemühungen in staatlichen Schulen scheitern fast durchweg an der fehlenden Bereitschaft dies zu tun.

Etliche Schulleiter scheuen sich davor, Internet, Tablets und Lernprogramme in der Schule zuzulassen. Ihre Sorgen werden gestützt durch Wissenschaftler wie den Ulmer Psychiater und Neurowissenschaftler Manfred Spitzer. Er meint, Computer schadeten Kindern mehr als sie ihnen nutzten und diagnostiziert plakativ eine „digitalen Demenz“.

Das Stammtisch-Pamphlet des Herrn Spitzer ist nicht nur wissenschaftlich mehr als fragwürdig, sondern es ist auch in seiner gesellschaftlichen Wirkung unverantwortlich und irreführend, weil es natürlich ganz gezielt Ängste und Unwissenheit bedient. Die Frage in Bezug auf die Nutzung von digitalen Medien kann doch nicht im Ernst eine Ja/Nein-Frage sein, sondern nur eine Frage nach dem verantwortlichen Wie. Die Generation des 21. Jahrhunderts versteht solche Diskussionen ja ohnehin nicht, da es eine Welt ohne digitale Saturierung für sie überhaupt nicht gibt. Die Frage, ob uns als Eltern oder Lehrern diese Entwicklung gefällt oder nicht, ist völlig irrelevant, da die Realität nun einmal so ist wie sie ist. Selbstverständlich gehört aber eine strukturierte und konsequente Medienerziehung in jede gute Schule und auch in jede Familie, um die Kinder und Jugendlichen dabei zu unterstützen, die unbegrenzten Möglichkeiten sinnvoll und verantwortlich zu nutzen.

Wie haben Sie die Lehrer und die Schüler für Ihr Digital-Ink-Programm, übersetzt also digitale Tinte, bzw. die papierlose Schule gewonnen?

Die Schüler waren leicht zu begeistern, da für sie alle digitalen Themen hohen Aufforderungscharakter haben. Bei den Lehrern war das natürlich etwas schwieriger, wobei wir von der Bereitschaft sich mit dem Thema auseinanderzusetzen eher positiv überrascht waren. Letztendlich aber führte der Paradigmenwechsel auch dazu, dass man als Lehrer nicht bei uns arbeiten kann, wenn man nicht im Digital-Ink-Programm unterrichten möchte. Mittlerweile sind die digitalen Möglichkeiten für viele Lehrer eine Hauptmotivation für ihre Entscheidung für den Arbeitsplatz Schloss Neubeuern.

Wie haben die Schüler ihre Nutzung des Internets und besonders von Computerspielen verändert, seit dem sie die papierlose Schule besuchen? Ist deren Bildschirmzeit rapide gestiegen?

Zu unserer allgemeinen Freude ist die Nutzung von Computern im privaten Bereich, also vor allem bei Computerspielen und Facebook, deutlich zurückgegangen. Die Faszination, die von digitalen Endgeräten ausgeht, ist für unsere Schüler stark gesunken, seit iPad und Tablet PC zentrale Arbeitsmittel geworden sind. In der Freizeit spielen unsere Schüler dann lieber Fußball mit Freunden, statt sich weiter mit Computern zu beschäftigen.

Sie praktizieren in Neubeuern das Prinzip des flipped oder inverted classrooms. Wie muss man sich das vorstellen?

Das Prinzip des Inverted Classroom sieht eine Individualisierung von Lernprozessen vor und geht richtigerweise davon aus, dass die frontale Instruktion wenig geeignet ist, um einer ganzen Klasse schulische Inhalte zu vermitteln. Die Inverted Classroom-Methode stellt daher das traditionelle Klassenzimmer auf den Kopf, indem es die Instruktion aus der Unterrichtszeit herausnimmt und die wertvolle Interaktionszeit zwischen Lehrern und Schülern auf die individuelle Unterstützung der Schüler konzentriert bei der praxisnahen Anwendung des Wissens, das sie sich selbst erarbeitet haben. Auch hier machen erst die digitalen Medien eine wirklich erfolgreiche Arbeit möglich, da die Lernbausteine, mit denen sich die Schüler z.B. die binomischen Formeln erarbeiten, zu einem großen Teil aus Lernvideos bestehen, in denen die Phänomene anschaulich erklärt werden. Da diese Bausteine auf einer Lernplattform im Internet liegen, können die Schüler zu jeder Zeit an jedem Ort darauf zugreifen. Sie lernen also selbstbestimmt und vor allem in ihrem eigenen Tempo.

Sie waren Internatsleiter in England. Können Sie verstehen, dass viele deutsche Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder auf englische Internate schicken?

Auslandserfahrungen machen natürlich immer Sinn, ganz gleich ob es in England oder Australien ist. Das Hauptargument ist dabei natürlich auch immer die Weltsprache Englisch. Ich sehe allerdings auch, dass viele Schüler und Eltern sich für eine Schullaufbahn in England entscheiden, ohne notwendigerweise geprüft zu haben, ob dies tatsächlich die beste Entscheidung ist. Die Internatswelt in England hat sich in den vergangenen 25 Jahren sehr stark verändert, und es gehört in England schon lange nicht mehr zum guten Ton, seine Kinder unbedingt auf eine Internatsschule zu schicken. Dementsprechend finden sich in vielen englischen Internaten kaum mehr englische Schüler, was durch erfolgreiche Akquise in China und Russland aufgefangen wird. Hier empfehle ich eine sehr genaue Prüfung. Ich kenne zahlreiche Fälle, in denen die Entscheidung für eine gute Internatsschule in Deutschland sicher die bessere gewesen wäre.

Inwieweit ist die Internatserziehung der klassischen Halbtagsschule überlegen?

Sie ist der Halbtagsschule in jeder Beziehung überlegen, weil sie Impulse bieten kann, die nur in einer Gemeinschaftserziehung möglich sind. Spätestens wenn auch entwicklungspsychologisch der Einfluss der Eltern massiv abnimmt, ist der Zeitpunkt für eine Internatserziehung gekommen. Gerade in einer Welt voller Hubschrauber-Eltern, die ständig über ihren Kindern kreisen und es ihnen damit unmöglich machen, eigene Grenzerfahrungen zu machen und die Verantwortung für sich zu übernehmen, bietet eine konsequente und wertehaltige Internatserziehung die optimale Entwicklungsumgebung für Jugendliche. Es muss allerdings das richtige Internat sein.

Wie optimistisch sind Sie gestimmt, was die Entwicklung des Schulsystems in Deutschland betrifft?

Ich bin ehrlich gesagt nicht besonders optimistisch. Zu groß erscheinen mir die Hindernisse auf dem Weg zu einer wirklichen Veränderung, insbesondere was Föderalismus und Beamtentum anbetrifft. Aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, und wir werden mit unserer kleinen Schule weiterhin versuchen, Vorbild zu sein und andere mitzunehmen.

Ich verdanke Neubeuern die Grundlage für mein späteres Leben und Handeln. Vor allem deshalb, weil die Schule immer schon innovatives Denken gefördert hat. Heute zeigt sich das unter anderem in der konstruktiven Medienerziehung der Schüler.

Wolfgang Ley, Escada-Gründer, Abitur 1954

Ich verdanke Neubeuern die Grundlage für mein späteres Leben und Handeln. Vor allem deshalb, weil die Schule immer schon innovatives Denken gefördert hat. Heute zeigt sich das unter anderem in der konstruktiven Medienerziehung der Schüler.

Wolfgang Ley, Escada-Gründer, Abitur 1954
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